„Alte Gemüse neu entdeckt“ von Joachim Mayer ?>

„Alte Gemüse neu entdeckt“ von Joachim Mayer

Ob „Chinesische Keule“ oder „Erfurter Zwerg“ – viele Gemüsesorten sind im Laufe der Zeit in der Versenkung verschwunden. Nun stellt Joachim Mayer eine umfangreiche Auswahl in seinem Buch „Alte Gemüse neu entdeckt“ vor.

Wer heute Gemüse einkaufen geht, wird feststellen, dass fast überall die immer gleichen Sorten angeboten werden. Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten. Unzählige altbewährte Sorten, die sowohl geschmacklich als auch optisch einiges hergeben, sind über die Jahre in Vergessenheit geraten. Dieser Sorten nimmt sich der Agrarwissenschaftler und Gartenjournalist Joachim Mayer jetzt an. In seinem neuen Buch „Alte Gemüse neu entdeckt“ stellt er auf 144 Seiten über 200 alte Stars des Gemüsebeetes vor.

Erst die Grundlagen, dann die Porträts

Etwa zwei Drittel des Buches beanspruchen die Gemüseporträts für sich. Doch zunächst schafft der Autor in dem Kapitel „Gemüsepraxis“ die Grundlagen. Boden- und Kompostkunde sind genauso Thema wie Fruchtwechsel, Gründüngung, Aussaat, Mulch, Ernte und Saatgutgewinnung.

Dann folgen gut 200 Porträts über Blatt-, Kohl-, Zwiebel- und Fruchtgemüse sowie über Hülsenfrüchte, Wurzeln und Knollen. Der Leser erhält dabei nicht nur Tipps zu Anbau, Pflege und Verarbeitung, sondern erfährt zudem viel Historisches. Etwa, dass Grünkohl schon im alten Rom kultiviert wurde, dass die Kartoffel im 18. Jahrhundert die Speiserübe als Grundnahrungsmittel verdrängt hat und dass die Melde, die langsam bei Gemüsefans wieder in Mode kommt, zu den ältesten Kulturpflanzen zählt.

Rezepte, Reportagen und Adressen

Quer über das Buch verteilt liefert Joachim Mayer zusätzlich 18 mitunter vielversprechende Rezepte wie Blumenkohl-Linsen-Curry mit Cashewreis oder Pastinakennudeln alla Putanesca. Sieben der Rezepte enthalten Fleisch oder Fisch, die restlichen sind vegetarisch oder vegan.

Auch interessant: Vier Reportagen über die Arbeit von Sortenrettern. Unter anderem stellt Mayer den Bamberger Sortengarten und die „Dreschflegel“-Samengärtnerei von Jens Eichler vor.

Das Buch endet mit einer umfangreichen Adressensammlung von Saatgutanbietern, Initiativen und Vereinen, die sich dem Sortenerhalt verschrieben haben sowie von Sorten-, Museums- und Klostergärten.

Inspirierende Parade neuer alter Möglichkeiten

Wer Spaß hat am Ausprobieren und Experimentieren, der kommt mit „Alte Gemüse neu entdeckt“ voll auf seine Kosten. Joachim Mayer stellt viele ungewöhnliche Sorten vor, wie das Ochsenherz, eine runde Möhre, die bis zu einem Kilogramm auf die Waage bringt. Oder den ausdauernd wachsenden „Ewigen Kohl“, den rot geäderten Blutampfer oder die Kartoffel „Blauer Schwede“.

Durch das Kapitel über die Gemüsepraxis ist das Buch auch für Einsteiger passend. Die gärtnerischen Grundlagen werden hier zwar nicht metertief durchgeackert, aber sie dürften reichen, um erste Erfolge einzufahren.

Fotos sind übrigens reichlich vorhanden. Allerdings sind die meisten ziemlich klein geraten und eher zweckdienlich als schön. Wer die Imposanz der „Chinesischen Keule“ oder die Verrenkungen des „Schlangen-Knoblauchs“ wirklich erkennen möchte, der muss selber ins Saatgut greifen.

Fazit

„Alte Gemüse neu entdeckt“ ist ein anregendes Buch, das Mut macht, auch mal zu den Wurzeln des heutigen Gemüseanbaus zurückzukehren. So kann der Leser nicht nur Vielfalt erhalten und fördern, sondern zudem auch neue Geschmackserlebnisse und optische Highlights ernten.

Alte Gemüse neu entdeckt – Die besten Sorten anbauen und genießen“  * von Joachim Mayer, erschienen im März 2018 im Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München

2 thoughts on “„Alte Gemüse neu entdeckt“ von Joachim Mayer

  1. Hallo du Liebe,

    bin mal schnell vorbeigesprungen und habe diesen tollen Post entdeckt. Das Buch scheint sehr informativ zu sein und in Zeiten der totalen Sorten-Vereinheitlichung wohl auch mehr als notwendig. Oft sind die alten Sorten ja geschmacklich eine wahre Offenbarung. Danke für den tollen Tipp 🙂

    Lieben Gruß von Bibi

    1. Liebe Bibi,
      vielen Dank für diesen netten Kommentar. Ich glaube auch, dass das Buch die eine oder andere tolle Überraschung bereit hält. Da muss man sich einfach mal ans Ausprobieren machen. Ich werde meine Experimente übrigens mit dem Hirschhorn-Wegerich beginnen.
      Liebe Grüße sendet
      Katka

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