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„Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ von Peter Wohlleben

Mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume “ gelang Förster Peter Wohlleben ein Überraschungserfolg. Nun legt er immer wieder nach, kürzlich erschien sein neuestes Werk „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“, das prompt wieder Platz eins der Bestsellerliste erreichte. Doch wie neu sind die Erkenntnisse des Mittfünfzigers wirklich?


Peter Wohlleben hat einen Nerv getroffen. Die Deutschen und ihr Wald ist eine Liebesgeschichte, die seit Jahrhunderten andauert – leidenschaftlich und wildromantisch. Sie ist nicht immer gleich stark ausgeprägt, diese Liebe. Zeitweise rückt sie etwas in den Hintergrund, doch erloschen ist sie nie. Heute, in Zeiten der Verunsicherung und der Klimakrise, gewinnt sie wieder an Zugkraft. Das 2015 erschienene Buch „Das geheime Leben der Bäume“ kam genau zur richtigen Zeit und stand über Monate an der Spitze der Bestsellerliste. Und es lieferte faszinierende Erkenntnisse, wie Bäume untereinander kommunizieren und wie das Ökosystem Wald funktioniert.

Ein Sammelsurium, das staunen lässt

In seinem neuen 240-Seiten-Buch „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ erklärt Wohlleben nun, wie ähnlich der Mensch den Tieren und den Pflanzen ist und wie alles miteinander verbunden ist. Allerdings lässt schon der Untertitel „Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des Menschen, den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewusstsein haben“ erahnen, dass ein klarer roter Faden hier schwer zu finden ist. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, dass es Wohlleben vor allem darum geht, seine vielen unterschiedlichen und teilweise wirklich erstaunlichen Erkenntnisse an den Leser zu bringen – unter welcher Überschrift auch immer. Und so gerät das Buch ein bisschen zum Sammelsurium. Es geht um das Sehvermögen des Menschen und um seinen Darm, um künstliche Zusatzstoffe, um Fuchsbandwürmer bei uns, Regenwürmer in Nordamerika und vieles mehr. Alles Thesen, die er mit viel Leidenschaft hervorbringt, die man sich auch gut zu Gemüte führen kann, die aber eben ein wenig zusammenhanglos erscheinen.

Die Zerstörung der deutschen Forstwirtschaft

Andererseits gilt auch in diesem Buch einmal mehr: Die Kapitel, in denen es um die Eigenheiten der Bäume geht und um ihre immense Bedeutung gerade in der Klimakrise, sind wieder die eindrucksvollsten. Seine Fundamentalkritik an der intensiven Forstwirtschaft und sein Plädoyer für naturnahe Wälder ist stark, seine Lust an der Provokation ausgeprägt, die Kritik an seinen eigenen Kollegen hart: „Ausgerechnet mein Berufsstand hat den Kontakt zur echten Natur mehr verloren als jeder Großstadtbewohner.“ Zack, das sitzt. Und klar, damit macht man sich nicht nur Freunde.

Viele werden Wohlleben auch hier wieder eine esoterische und idealisierende Sichtweise auf die Natur vorwerfen, aber er bemüht sich nach Kräften, seine Thesen mit ausführlichen wissenschaftlichen Belegen zu untermauern – was leider wiederum oftmals den Lesefluss stört. Im Übrigen kann diese Kritik Wohlleben nicht mehr erschüttern. Er hat sich längst zu einer Institution entwickelt, die gehört wird. Dass er in den abschließenden Kapiteln, in denen er über bedenkliche Entwicklungen und eigene Erfahrungen im polnischen Nationalpark Bialowieza oder auch im Hambacher Forst berichtet, ein bisschen häufig das Wort „ich“ benutzt, sei ihm verziehen.

Peter Wohlleben bleibt Peter Wohlleben

Muss man also dieses Buch lesen? Es wäre unfair zu behaupten: Kennste einen Wohlleben, kennste alle. Aber in der Tat finden sich viele seiner Erkenntnisse in „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ auch in anderen seiner Bücher wieder. Dennoch sorgt er auch hier sogar bei erfahrenen Lesern wieder für jede Menge Aha-Effekte. Seine klare Sprache und seine für jeden Laien nachvollziehbaren Thesen bleiben seine große Stärke. Und sogar einen Tick Humor, den man bisher manchmal vermisste, findet man in den Zeilen. Allein, dass Wohlleben dem Leser das fragile Abhängigkeitsverhältnis zwischen Mensch und Natur schonungslos offenlegt und dafür sorgt, dass man die Natur mehr und mehr mit anderen, klareren Augen sieht und für sie sensibilisiert wird, ist ein Gewinn.

 

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur: Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des Menschen, den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewusstsein haben“ * von Peter Wohlleben, erschienen am 12. August 2019 im Ludwig Buchverlag, München

4 thoughts on “„Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ von Peter Wohlleben

  1. Danke für diese Buchvorstellung.
    Ich habe bisher fast alle Bücher von P. Wohlleben gelesen und habe mir natürlich auch dieses bestellt.
    Die Art und Weise wie Herr Wohlleben über Wälder, Bäume, Tiere und nicht zuletzt den Menschen schreibt, ist einfach lesenswert. Wenn alle Menschen oder zumindest alle Förster so denken würden wie er, könnte unsere Welt eine bessere sein. Er versteht es meisterlich, seine Liebe zum Wald an den Leser weiterzugeben und durch die erstaunlichen Erkenntnisse, die er uns vermittelt, können auch wir Laien die Zusammenhänge in der Natur viel besser verstehen und allein daraus ergibt sich zumindest für mich die Konsequenz, diese letzten Reste unserer Natur unbedingt zu schützen.
    Ich freue mich schon auf die unterhaltsamen und lehrreichen Lesestunden mit diesem neuen Buch.

    1. Liebe Angela,
      dann man viel Spaß beim Lesen!
      Peter Wohlleben vermittelt in der Tat ein neues Gespür für den Wald und zeigt eben auch, wie dringend notwendig es ist, den Wald Wald sein zu lassen. Kleiner Tipp für Wohlleben-Fans: Auf facebook postet Wohlleben täglich kurze Beiträge rund um Wald und Natur.

  2. Hallo Katka,
    bin leider nicht bei Facebook, aber ich habe einen analogen Tipp:
    Es gibt ein vierteljährliches Naturmagazin über GEO von P. W., „Wohllebens Welt“, das auch sehr lesenswert ist.
    Wahrscheinlich sind da auch ähnliche Beiträge wie bei Facebook drin.

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