Ackern in Appen – Gemüse und Geplauder auf dem Miet-Acker (2) ?>

Ackern in Appen – Gemüse und Geplauder auf dem Miet-Acker (2)

Vor drei Wochen haben wir unser Ackerstückchen auf dem Schäferhof in Appen übernommen. Blanke Erde mit vorgepflanzten saftlosen Salaten, angeknabberten Kohlrabiblättern und ein paar anderen Gemüsesorten. Das meiste Gemüse haben die Ackerbetreiber von „Erntezeit“ übrigens nicht gepflanzt, sondern gesät. Davon war anfangs natürlich gar nichts zu sehen, heute sieht es auf dem Acker schon ganz anders aus.

Die ersten Maiwochen waren für Hamburger Verhältnisse sehr warm. Geregnet hat es fast gar nicht. Umso überraschter sind wir, als wir drei Wochen nach der Ackerübernahme wieder auf dem Feld stehen und alles grün und kraftvoll ist. Sogar die bei Übergabe schon gepflanzten Salate, die völlig erschöpft alle Blätter von sich gestreckt hatten, als wir sie zum ersten Mal gesehen haben. Inzwischen haben sich diese Pflänzchen zu hoffnungsvollen Jungsalaten entwickelt. Schon erstaunlich, dass das ohne Gießen geklappt hat.

Salat auf einem Acker Ansicht von oben
Vor drei Wochen war dieser Salat nichts als ein mickriges Blätterhäufchen. Heute macht er eine wirklich gute Figur.
Gemüsereihen mit Rotkohl im Zentrum
Wachsen ganz nach Plan: Rotkohl, Radieschen und all die anderen Gemüsesorten. Wachsen ganz ohne Plan: Quecke, Rispengras usw.

Heute ist noch einmal ein Abholtermin für Jungpflanzen. An der Pflanzenausgabe stehen Ulla, Lena und Silva. Wir bekommen sechs Salate und drei Grünkohlpflanzen zum Selbereinpflanzen. Auf unserem Anbauplan steht ganz genau, wo die dafür vorgesehenen Beete sind. „Betreutes Gärtnern“ könnte man das nennen. Das habe ich auf facebook in einem Kommentar gelesen. Stimmt ja irgendwie, denn mit dem Tipp „Einschlämmen nicht vergessen!“ gehen wir mit unseren Pflänzchen aufs Feld.

Silva ist schon seit sechs Jahren „Erntezeitlerin“ und hilft im Team gelegentlich mit. Auch hauptberuflich hat die 34-Jährige mit dem Gemüseanbau zu tun. Für den Verein „Ackerdemia“ geht sie in Kindergärten und an Schulen, um dort mit den Kindern einen Acker anzulegen und eine Saison lang zu bewirtschaften. „Ich möchte zeigen, dass unser Essen in der Erde wächst und eben nicht in Plastiktüten aus dem Supermarkt kommt“, erzählt sie. Da sie zu Hause keinen eigenen Garten hat, ist sie bei „Erntezeit“ gelandet und lässt hier zusammen mit ihrem Mann und den beiden Kindern ihr Essen wachsen.

Silva an der Jungpflanzenausgabe
Für Laien sehen viele Jungpflanzen gleich aus. Für Silva aber nicht. Sie weiß, wie man junge Zucchini-, Kürbis- und Kohlpflanzen auseinander halten kann.

Silva war übrigens diejenige, die uns vor drei Wochen erzählt hat, dass sie in ihren ganzen sechs Jahren bei „Erntezeit“ noch niemals gegossen hat. Wenn ich mir jetzt den Acker ansehe, kann ich ihr fast glauben, denn alles gedeiht ganz von alleine. Besonders das Unkraut. Bei der Einführung hat „Erntezeit“-Mitarbeiterin Lena von „Beikräutern“ gesprochen. Mir gelingt es einfach nicht, von dem alten Wort „Unkraut“ Abschied zu nehmen. Ich mag Giersch, Wegerich und Co. Ein paar Brennnesseln und Knoblauchsrauke habe ich sogar in unserem eigenen Reihenhausgarten angepflanzt. Wenn diese Pflänzchen aber zuhauf da wachsen, wo ich sie nicht haben will, also beispielsweise im Gemüsebeet, dann sind und bleiben sie für mich einfach Unkräuter. Hier auf dem Acker breitet sich – genau wie ich es schon vor drei Wochen geahnt habe – die Quecke aus. Eigentlich ein schönes Gras, aber eindeutig zu raumgreifend. Mit ihrem starken Wurzelwerk nimmt sie in kurzer Zeit das Feld ein, wenn man ihr keinen Einhalt gebietet.

Quecke mit Wurzeln auf dem Boden liegend
Genauso wie der Giersch breitet sich die Quecke mit Hilfe ihrer Wurzeln aus. Das macht sie quasi zum Steh-auf-Pflänzchen. Rausziehen, Kaffe trinken gehen und schwupps, ist sie wieder da.
Beetstreifen mit viel Unkraut
Unkraut wächst meistens am schnellsten.

Neben der Quecke sind noch einige andere Unkräuter auf dem Vormarsch. Rispengras zum Beispiel und der Baumspinat Magenta Spreen. Eigentlich ein interessantes Gemüse, das in wenigen Monaten bis zu zwei Meter hoch wird und wie Spinat oder Salat gegessen werden kann, aber mit einer hohen Bereitschaft zur Selbstaussaat. Und dann wächst hier noch überall eine kleine Pflanze, die irgendwie an Möhrenkraut erinnert.

„Ist aber keine Möhre, sondern eine Mohnart“ sagt Oliver, der drei Gärten neben uns ackert. „Alles, was wie Möhre aussieht, aber nicht im Möhrenbeet wächst, kann raus“. Das hat ihm seine Frau Miriam erklärt, die gut Bescheid weiß, wenn es um Möhren, Bohnen und Co. geht. Zu Hause in Blankenese verwandelt sie gerade einen Teil ihres Gartens in einen Permakultur-Garten. Und hier in Appen wird eben zusatzgegärtnert. Oliver macht mit und lernt dazu.

Miriam und Oliver
Nach ein paar Stunden Geacker mit Unkrautrupfen und Jungpflanzen setzen gönnen sich Miriam und Oliver eine Pause.

Wie dieser Mohn aufs Feld kommt? Genauso wie der Baumspinat: durch Selbstaussaat. Der Teil des Ackers, auf dem jetzt die 120 Gärten liegen, war im vergangenen Jahr mit Gründünger und Bienenweidenpflanzen bepflanzt. „Erntezeit“ betreibt nämlich eine Zweifelderwirtschaft. Während die eine Hälfte des gesamten Feldes intensiv von den Pächtern bewirtschaftet wird, erholt sich die andere Hälfte mit einer Gründünger- und Bienenweidenbepflanzung, zu der auch der Goldmohn gehört. Nicht essbar, aber wunderschön, wenn er erstmal blüht.

junge Mohnpflanze
Sieht ein bisschen aus wie das Kraut von Möhren. Ist aber Kalifornischer Mohn, der in ein paar Wochen tolle orangefarbene Blüten trägt.

Auch zwischen unseren Steckzwiebeln findet sich der Goldmohn. Vielleicht werden wir einfach ein paar Goldmohnpflänzchen stehen lassen, einfach so als Augenweide. Die Steckzwiebeln! Was es mit denen auf sich hat, habe ich noch nicht so richtig begriffen. Vor drei Wochen haben wir ein paar süßkirschengroße Zwiebeln in die Hand gedrückt bekommen und sollten sie einpflanzen. Inzwischen hat jede von ihnen einen langen Schaft gebildet. Aber wie geht das weiter? Kleine Zwiebel im Frühjahr einpflanzen und große Zwiebel ein paar Monate später aus der Erde ziehen? Oder bilden sich aus einer Steckzwiebel viele Zwiebeln, genauso wie aus einer gesetzten Kartoffel viele Kartoffeln werden? Ein Geheimnis, das der Acker spätestens im Herbst preisgibt.

Und wie ist das eigentlich mit den Schnecken? Unser Ackerstückchen liegt ziemlich in der Mitte des gesamten Feldes. Strategisch gesehen sehr günstig, finde ich. Sollten die Schnecken tatsächlich das Feld überfallen, dann haben sie sich wahrscheinlich schon kugelrund und satt gefressen, wenn sie bei unserem Gärtchen ankommen.

 

„Erntezeit“ im Internet: www.gaertnernmachtgluecklich.de

5 thoughts on “Ackern in Appen – Gemüse und Geplauder auf dem Miet-Acker (2)

  1. Vielen Dank für diesen amüsanten, kurzweiligen und informativen Text. Das Geheimnis der Zwiebelvermehrung (oder auch nicht) interessiert mich auch sehr. Im Herbst sind wir schlauer.

    1. Liebe Kesch,
      wie schön, dass du dich gut unterhalten gefühlt hast! Außer der Zwiebelfrage gibt es übrigens noch einige andere Dinge zu ergründen. Zum Beispiel die Frage, was man mit einem ganzen Beetstreifen Bohnenkraut anfangen kann.

  2. Liebe Katka, in der Tat auch eine interessante Frage. Mein Tipp: was nicht frisch verwendet wurde, trocknen und übers Jahr verbrauchen (oder verschenken).

  3. Du Liebe,

    die Sache mit der Zweifelderwirtschaft finde ich super, werde ich wohl ab diesem Jahr bei mir auch mal betreiben.

    Lieben Gruß
    Bianca

Schreibe einen Kommentar zu kesch Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.