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Im Garten von. . . Bettina

Bettina Hübner holt ihre Eier nicht aus dem Supermarkt, sondern aus ihrem Garten. Hier leben zwölf Serama-Hühner in einem wunderschönen „Pettersson und Findus“-Idyll mit rot-weißen Hühnerhäuschen.

Das war Landleben pur auf dem Bauernhof ihrer Großmutter in der Steiermark: „Steirisches Fleckvieh, Hühner, Katzen, Mais und Weizen. Wir haben noch per Hand gemolken und mit der Sense Heu gemacht.“ Vergangenes Glück huscht über Bettina Hübners Gesicht, wenn sie ins Erzählen kommt. „Solche Bauernhöfe gibt es heute nicht mehr in dem Dorf. Ich habe mich dann gefragt, wie ich ein bisschen von diesen Erfahrungen in unser heutiges Leben transportieren kann und kam so auf die Hühner.“

Frau mit Huhn
Auf’s Huhn gekommen: Bettina und ihre Familie teilen sich mit zwölf Serama-Hühnern einen wunderschönen Garten.

Hühner zwischen Dahlien und Schaukeln

Bettina lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (8 und 10) am Rande von Hamburg. Ein paar Eichen verschatten einen Teil das etwa 800 Quadratmeter großen Grundstücks. Hier gibt es ein Fußballfeld, eine terrassierte Ecke mit Autoreifenschaukel und eine Nestschaukel mit Klettergerüst. Überall im Garten verteilt Beete, in denen Funkien, Echinacea, Astern und Dahlien blühen. Manchmal lassen sich die Hühner auf dem Klettergerüst nieder oder picken im frisch vertikutierten Fußballfeld, aber meistens halten sie sich im helleren Teil des Gartens auf. Hier finden sich ein Hühnerstall, ein Kaninchengehege, ein mit einem Staketenzaun und Drahtgeflecht abgestecktes Gemüsebeet und ein weiteres kleines rot-weißes Hühnerhäuschen im „Petterson und Findus“-Stil. Mit diesem Häuschen fing alles an.

Rot-weißes Hühnerhäuschen im Garten
Schwedenromatik für die Hühner. Hier haben die ersten Seramas der Familie gewohnt. Jetzt kommen dort Hennen mit ihren frisch geschlüpften Küken unter.

Ein Küken ist geschlüpft

Zwölf Serama-Hühner gehören inzwischen zur Familie, darunter zwei Hähne. Als erstes kamen vor vier Jahren Luisa und Falka. Nach und nach die anderen. Teils als gekaufte Eier, teils aus eigener Vermehrung. Susi ist gerade etwas flatterig. Sie musste nämlich gestern mit ihren drei Teenager-Küken die Mutterstation – das kleine Hühnerhäuschen – verlassen. Denn schon wieder ist ein Küken geschlüpft und hat nun Anspruch auf das Häuschen.

Serama-Küken im Gras
Das Küken unter den Hühnern ist gerade mal einen Tag alt.

Die kleinsten Hühner der Welt

Seramas gelten als die kleinste Zwerghuhnrasse der Welt. Sie werden höchstens 25 cm groß und legen deshalb deutlich kleinere Eier als ihre Standardkollegen. Es wird gemutmaßt, dass die Seramas unter anderem vom Seiden- und vom Dschungelhuhn abstammen. Weil sie besonders zutraulich sind, ganzjährig Eier legen, wenig gackern und zetern und selbst das Krähen lustig leise klingt, werden sie hierzulande immer beliebter.

zwei Seramas auf dem Dach eines Hühnerhauses
Hier ist gut gackern und krähen. Auf dem Dach des Hühnerhäuschens fühlen sich die Tiere wohl.
zwei Serama-Hühner
Zusätzlich zum Körnerfutter bedienen sich die Seramas am Bodentresen. „all you can eat“: Käfer, Larven und Co.

Was die Nachbar sagen

Und was sagt die Nachbarschaft zu diesen ungewöhnlichen Haustieren? „Die finden die Hühner toll. Vor dem Kauf der Tiere haben wir natürlich rumgefragt, ob alle einverstanden sind. Die einen sagten: ‚Macht nichts, wir haben vier Kinder.‘ Die anderen: ‚Egal, wir haben laute Frösche.‘ Und die Bewohner im Seniorenstift gleich nebenan sagten: ‚Ist okay, wir hören sowieso nichts mehr'“, erzählt Bettina.

Hühner zwischen Blumen
In der Nachbarschaft sind die Seramas sehr beliebt. Lässt sich mal eine Zeit lang eines der Hühner nicht blicken, dann fragen die Nachbar gleich nach, ob denn alles in Ordnung sei.

Gefahr von oben: Greifvögel

Ausreißen könnten die Hühner jederzeit. Tun sie aber nicht. Sie verlassen zwar gerne mal den Garten, bleiben aber immer in der Nähe des Hauses. Gefahr droht eher von anderer Seite. Habichte und Bussarde, die über die nahegelegenen Felder kreisen, ziehen auch über den Gärten ihre Runden. Vor drei Monaten hat es Valentina, das schwarze (höchst zickige) Schaf der Hühnerschar erwischt. Nur noch ein paar weiße Federn lagen auf dem Rasen. „Einerseits ist das zwar traurig, aber andererseits ist das der Lauf der Natur. Und so hatte wenigstens der Greifvogel frisches Futter für seine Jungen“, sagt Bettina.

Sich zumindest mit Eiern weitestgehend selbst versorgen zu können, ist ein Gedanke, der Bettina gut gefällt. Auch der Gemüsegarten gibt einiges her und schenkt der Familie immerhin ein paar Tage Unabhängigkeit vom Supermarkt. Erbsen, Bohnen, Kartoffeln, Erdbeeren und Salat sind schon abgeerntet, ein Kürbis liegt einsam im Beet. Er soll bis Halloween noch ein bisschen zulegen.

Eingezäunter Gemüsegarten, im Hintergrund ein Kaninchengehege und das große Hühnerhaus
Eigentlich richten die Hühner im Garten keinen Schaden an. Nur auf das Gemüse haben sie es abgesehen. Da hilft nur ein Zaun.

Das Winterquartier im Schuppen

Und dann kommt langsam der Winter. Zeit für die sehr kälteempfindlichen Serama-Hühner, das Quartier zu wechseln. Der Hälfte des Schuppens wird dann wie in jedem Winter und wie in Zeiten der Vogelgrippe zum Hühnerstall umfunktioniert. Im Sommer ist im Schuppen nur eine kleine Krankenstation links neben der Tür für die Tiere reserviert. Hier ruht sich vor allem Falka aus, die alte Dame unter den Hühnern. Sie baut schon ein bisschen ab und braucht ab und an das wärmende Rotlicht, das über einer mit Stroh gefüllten Kiste baumelt. Daneben liegen ein paar Körnersäcke. Zusatzfutter für die Tiere, die aber auch im Garten jede Menge zum Picken finden: die Eier von Nacktschnecken beispielsweise. „Ein toller Zusatznutzen“, findet Bettina. Sie steht auf, geht zu einem Blumentopf, der auf der Terrasse steht und zieht aus dem Zitronenthymian ein kleines Ei hervor. Fast ein bisschen wie Ostern.

Ein Huhn in einem mit Thymian und Lavendel bepflanzten Blumentopf
Eiersuchen wie an Ostern findet in Bettinas Garten ganzjährig statt. Sogar in Blumentöpfen legen die Hühner ihre Eier ab.

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