Richtung Permakultur: Wie unser Selbstversorgergarten entsteht – Der Gemüsehang (2) ?>

Richtung Permakultur: Wie unser Selbstversorgergarten entsteht – Der Gemüsehang (2)

Er ist noch lange nicht fertig, aber schon ziemlich produktiv: der Gemüsegarten hinter unserem neuen Haus. Ein Südhang, etwa 350 Quadratmeter groß und bis vor kurzem hauptsächlich mit Gräsern, Klee, Wegerich, Margeriten und Habichtskraut bewachsen. Etwa ein Drittel der Fläche ist inzwischen terrassiert, eingesät und bepflanzt und liefert erste Ernten. – Über ein Zuviel an Salat, fehlende Stützmauern, die Sturheit der Wühlmäuse und ein treues Reh.

Jetzt haben wir den Salat: Dass „Till“ und der „Amerikanische Braune“, unsere beiden Pflücksalate, so gut kommen würden, hätte ich nicht gedacht. Mit diesen Mengen sind wir deutlich überfordert. Seit etwa drei Wochen beernten wir eine insgesamt etwa zehn Meter lange Salatreihe. Täglich eine Schüssel voll, und die Nachbarn haben wir auch schon zum Pflücken gebeten. Trotzdem nimmt die Blattmasse auf den Beeten zu. Die Mengen an Radieschen, Zwiebelgrün, Petersilie, Kohlrabi und Zuckerschoten hingegen passen gut.

Kohlrabi vor Zuckerschotenzwei KohlrabiEine Reihe Pflücksalat, links davon Zuckerschoten, rechts ein WegHummel auf ZuckerschotenblüteRote Bete und eine blühende ZucchinipflanzeKleine Honigmelonenpflanze im BeetKamille bei Rote Bete und ZucchiniBlühende Zucchinipflanzen neben Mohn und Johannisbeerenblühende Gurke

25 Zentimeter rauf und runter

Mit der Terrassierung des Hanges bin ich noch lange nicht fertig, erst etwa ein Drittel der Fläche ist geschafft. Und es war viel anstrengender als ich vorab vermutet habe. Weil der Anstieg im oberen Bereich nur gering verläuft, habe ich dort angefangen. Das hat den Vorteil, dass ich schon in diesem Jahr Flächen bewirtschaften kann. Es hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: fehlende Stützmauern.

oberer Teil eines Hanges, terrassiert aber noch ohne Pflanzen
Ende April, die ersten Aussaaten liegen schon ein paar Tage zurück.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Hang zu terrassieren. Wir haben uns dafür entschieden, nach einem Halbe-halbe-Prinzip vorzugehen und mehrere höchstens 50 Zentimeter hohe Trockenmauern aus Natursteinen zu errichten. Dabei haben wir die Erde der jeweils hinteren Terrassenhälfte bis zu einer Tiefe von etwa 25 Zentimetern abgetragen und sie im vorderen Teil der Terrasse so aufgetragen, dass eine gerade Ebene entstanden ist. Und da lag auch das Problem mit der fehlenden Stützmauer. Diese Vorgehensweise funktioniert nämlich nur, wenn man den hinteren Teil der nächst absteigenden Terrasse gleichzeitig mitbaut. Denn auch hier wird zur Hälfte – in unserem Fall höchstens 25 Zentimeter  – in den Hang hineingebaut und zur anderen Hälfe um höchstens 25 Zentimeter aufgeschüttet. Damit diese Schütterde einen Halt hat, muss die Mauer nach unten natürlich schon stehen.

Um Trockenmauern zu bauen, braucht man Unmengen an Steinen. Viele lagen schon bei uns im Garten, als wir hier eingezogen sind. Einen zusätzlichen Schwung – drei Schaufelbaggerladungen voll – hat Nachbar Rouven uns über den Zaun gekippt. Der größte von ihnen ist so schwer, dass es drei Männer brauchte, um ihn in die Nähe seines künftigen Platzes zu rollen.

Mauern, Wege, Beete und ein Kirschbaumstumpf
Anfang Juni: Während Zwiebeln, Kohlrabi, Zuckerschoten und noch viel mehr langsam aus den Startlöchern kommen, geht der Bau der Mauern und Mäuerchen weiter.
Aus dem oberen schon terrassierten Teil des Hanges nehmen Kartoffeln und Co. Fahrt auf.
Mitte Juni: Kartoffeln und Co. nehmen Fahrt auf.

Zwei Ärgernisse mit den Wühlmäusen

Überrascht bin ich immer wieder von dem tierischen Leben hier im Garten. Hauptakteure sind momentan die Wühlmäuse. Reine Vegetarier, die am liebsten Wurzeln von Gemüsepflanzen und von Obstbäumen fressen. Der Wurzelfraß ist aber nicht das einzige Problem. Zusätzlichen Schaden richten die Tiere an, indem sie durch ihre Gänge die Wurzeln quasi in der Luft hängen lassen und damit die Wasser- und Nährstoffaufnahme behindern. Die Mäuse sind hart im Nehmen. Die Erdarbeiten scheinen sie nicht zu stören. Genauso wenig wie das Knoblauchwasser, das ich immer wieder in die Löcher gieße, und das Zuschütten aller sichtbaren Gänge. Stur bauen sie die Gänge wieder auf und hängen noch ein paar weitere dran. Der längste sichtbare Gang führt Tag für Tags aufs Neue fast unter der Salatreihe entlang.

Halb oberirdischer Gang der Wühlmäuse direkt am Salat entlang
Die Lieblingsstrecke der Wühlmäuse führt meterweit durch unseren Salat. Tag für Tag bessern sie hier ihre Gänge aus.

Tanz mit der Natur oder Tanz auf meiner Nase?

„Permakultur ist ein Tanz mit der Natur, in dem die Natur führt.“ Dieser Satz stammt von Bill Mollison, dem Begründer der Permakultur. Was kann das in diesem Fall heißen? Nichts machen und so einen erheblichen Ernteausfall riskieren oder irgendwie eingreifen? Natürliche Feinde anlocken! Das ist in diesem Zusammenhang der häufigste Ratschlag. Klingt super nach Kreislauf der Natur, ist aber oft nicht leicht. Zumindest dann nicht, wenn man nur eine vergleichsweise kleine Fläche zur Verfügung hat. Wir haben Greifvögel, die hier ihre Bahnen ziehen. Sie durch eine Ansitzstange anzulocken wäre aber unseren hühnerhaltenden Nachbarn gegenüber unfair. Durch die große Wiese, die an unseren Garten grenzt und den dahinter liegenden Wald, hätten auch andere Fressfeinde Zugang zu unserem Garten, der mit Steinhaufen, wilden Ecken und hohen Gräsern eigentlich attraktiv für sie sein müsste. Gesehen habe ich noch keine. Dafür aber jede Menge Katzen. Die streunern täglich ohne jedes Jagdinteresse durch Kartoffeln, Kohlrabi und Co.

roter und weißer Mohnblühender weißer MohnBlühender HolunderKapuzinerkresse im BeetThymian in der Ritze der TrockenmauerGartenbank im Grünenblühender MohnBlühende Margeriten, die durch die Balken einer Gartenbank hindurchwachsen

Besuch in der Dämmerung

Ein anderer Streuner im Garten ist das Reh, dessen Spuren wir schon früh in den Beeten entdeckt haben. Inzwischen haben wir auch das Tier selber gesehen. Meistens kommt es zwischen 22.00 und 23.00 Uhr zu Besuch. Manchmal bleibt es auf der Wiese vor dem Zaun stehen und frisst von Nachbars Kirschbaum. Und manchmal springt es über unseren Zaun, hinterlässt ein paar Spuren in den Beeten und frisst – nichts. Was das Tier hier wohl will?

Reh hinter einem Zaun in der Dämmerung

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