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Im Garten von. . . Monika

3. Teil der Serie „Im Garten von. . .“

Monika wollte den verwahrlosten Seitenstreifen vor ihrem Haus nicht hinnehmen. Sie griff zum Spaten und erschuf den Moni-Park: Urban Gardening mit Rosen, Sonnenblumen, Storchschnabel, Erdbeeren, Rhabarber, Kräutern und unzähligen Pflanzen mehr. Wie diese bunt-blühende Oase zu einem Ort der Begegnung wurde und warum eine Handvoll Vogelfutter sie ganz schön in die Bredouille brachte, erzählt die Stadtgärtnerin hier.

„Du bist aber mutig“, sagten zwei Jungendliche und deuteten auf ein paar Pflanzen am Beetrand. Monika wusste gar nicht, was gemeint ist. Als die beiden Jungs der Verwaltungsangestellten dann erklärten, dass dort Cannabis wuchs, bekam sie einen großen Schreck. Sie rupfte einen Teil der Pflanze raus und ging damit zur Polizei. Die Beamten waren ratlos und mussten erstmal Google befragen. Tatsächlich Cannabis! Inzwischen sind die Pflanzen weg und Monika ist um ein kleines Abenteuer und eine Lektion in Sachen Pflanzenkunde reicher. Wie die Cannabis-Pflanzen auf das Beet gelangen konnten, ist inzwischen auch geklärt. Die Mittfünfzigerin hat sie selber gesät – allerdings ohne es zu wissen. Sie hatte die Spreu von ihrem Vogelfutter als Dünger ins Beet gestreut, ohne auch nur zu ahnen, dass im Vogelfutter Cannabissamen enthalten sein können.

viele blühenden Blumen im Moni-Park
So geht Sommer im Moni-Park. Es blüht und duftet und leuchtet und summt.

Monikas Garten ist lang gezogen, in mehrere Beete unterteilt und war bis Anfang 2014 ein verwilderter Grünstreifen zwischen Fußweg und Straße. Immer wenn sie aus ihrem Haus im alternativen Hamburger Stadtteil Ottensen ins Freie trat oder vom Balkon nach unten blickte, sah sie ungepflegtes Grün: Brennnesseln, Mäusegerste und andere Gräser überwucherten alles. Das gefiel der passionierten Gärtnerin nicht. Vor ihrem Umzug nach Hamburg hatte sie 23 Jahre in Brandenburg gut 2000 qm Garten bewirtschaftet. Gesät, gepflanzt, geschnitten, gegossen und gemacht. Ihr Sohn konnte diesen Gartenfaible gar nicht verstehen. „Als er neun Jahre alt war, sagte er mal zu mir: ‚Du hast aber ein komisches Hobby: Arbeiten! Wenn ich mal groß bin, dann habe ich nur Beton.‘ Heute ist er 36 Jahre alt, hat ein Haus und hat all das, was ich auch hatte“, erzählt Monika und lacht.

Monika kniet im Blumenbeet
Mit Elan, Herz und einer guten Portion Gestaltungswillen geht Monika ans Werk.

Erst zur Behörde, dann ins Beet

Doch bevor sie in Hamburg erneut zum Spaten griff, ging’s zum Amt. Sie hatte nämlich einen Zeitungsartikel über eine Hausgemeinschaft in Eimsbüttel gelesen, die ohne offizielle Genehmigung einen Grünstreifen bepflanzt hatte. „Nach ein paar Wochen machten die Behörden einfach alles platt. Das sollte mir nicht passieren“, erzählt sie. Drei Anläufe musste sie nehmen, bis sie schließlich die Genehmigung erhielt, die Streifen zu bepflanzen. Der Hausmeister der SAGA organisierte ihr einen 30-Euro-Gutschein für Gartengeräte und sie legte los. Sie jätete, grub um, säte, pflanzte und legte einen geschwungenen Mosaikweg aus Tonscherben und Fliesenbruch in ihren neuen Garten. Schließlich stellte sie Korbstühle, eine Bank und einen kleinen Tisch in die Mitte. Ihre Nachbarin, eine Künstlerin, verzierte den grauen Verteilerkasten an der Seite des Gärtchens pastellfarben und blumig-literarisch: „Frühling lässt sein blaues Band. . .“ Gedacht war das ganze Arrangement in erster Linie für Senioren, die weitere Wege in die umliegenden Parks einfach nicht mehr bewältigen konnten.

Ein kleiner Garten bepflanzt mit Rhododendren, Topinambur und bunten Blumen
Ein Idyll mitten in der Stadt: Seit gut drei Jahren blüht Ottensen ein bisschen bunter.

Ärgernis Hundedreck

Zwei Hundebesitzer, die immer wieder am Gärtchen vorbeikamen, machten ihr einen Strich durch die Rechnung. Nach einiger Zeit hatte Monika genug Hundedreck entfernt. Enttäuscht baute sie die Sitzecke ab. Fertig mit der Gärtnerei war sie trotzdem nicht. Sie plante um – sammelte sowohl die Stöcker von Silvesterraketen als auch daumendicke Äste und umzäunte die Gärtchen.

„Früher habe ich mich an Rosen nicht herangetraut. Jetzt habe ich hier fünf Stöcke. Eine Nachbarin hat sie mir einfach in den Garten gestellt. Dann standen plötzlich ein Gartenjasmin und ein Kirschbaum da und immer wieder auch Pflanzen, von denen ich nicht mal weiß, wie sie heißen.“

Blau-violette Blume vor einem Zaun aus Raketenstöckern
Mit Raketenstöckern ist die kleine, blühende Oase in Ottensen umzäunt.
Treibholz, eine exotisch anmutende Pflanze und ein Weg aus Fliesenbruch
Treibholz, Exotik und Fliesenbruch in Monikas Gartenparadies.

Ein blühender und essbarer Garten

Inzwischen beherbergt Monika Blumen und andere Pflanzen in allen Farben und Größen. Bodendecker wie Pfennigkraut und Sukkulenten, aber auch Funkien, Lavendel, Stiefmütterchen, Glockenblumen, Fetthenne, Storchschnabel, Rhododendren, Sonnenblumen, die Schwarzäugige Susanne und Astilben. Zusätzlich essbare Pflanzen wie Rhabarber, den jedes Jahr wieder eine alte Dame aus dem Haus bekommt. Und Erdbeeren, die ein kleiner Nachbarsjunge immer ernten darf. Dazu Kräuter wie Estragon, Thymian, Minze, Majoran und jede Menge Topinambur.

drei Blüten der Schwarzäugigen Susanne
Im Lichts des frühen Abends leuchtet die Schwarzäugige Susanne.
einige reife und viel unreife Erdbeeren im Beet
Die Erdbeeren tragen reich in Monis Seitenstreifen-Gärtchen. Jetzt muss nur noch die Sonne scheinen.

Ein Ort der Begegnung

„Die Arbeit hier im Garten macht mir einfach Spaß und gibt mir Energie“, sagt Monika, die ihr Gärtchen nach Anregung eines Bekannten „Moni-Park“ nennt. Sie ergänzt: „Den Menschen eine Freunde zu machen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, finde ich wunderbar. Neulich blieb hier ein Mann stehen und fragte, ob ich seinen Garten auch so schön herrichten könne. Ein anderer bedankte sich für diesen ‚Wahnsinn‘ mitten in der Stadt.“ Dann erzählt sie von einem Mädchen, das ihr bei der Gartenarbeit zusah. Es kramte seinen Geldbeutel heraus und kippte das Kleingeld aus. 1 Euro und 37 Cent kratzte es zusammen und sagte: „Mehr habe ich nicht, aber das sollst du haben.“ Und dann war da noch ein Teenager, der im vergangenen Sommer fragte, ob er eine der Sonnenblumen haben dürfe, weil er so Stress mit seiner Freundin habe. Monika gab ihm gleich drei Sonnenblumen und der Junge war glücklich.

Solche Begegnungen machen auch die Gärtnerin glücklich. Sie freut sich, wenn der kleine Junge, mit dem sie im Herbst Zwiebeln von Osterglocken und Tulpen gesetzt hat, im Frühjahr am Beet steht und strahlt, wenn er „seine Blumen“ sieht. Genauso hat sie sich gefreut, als eine alte Dame ihr erzählte, dass der Anblick ihres wunderschönen Gartens sie darüber hinweg getröstet habe, dass ein rüpelhafter Fahrradfahrer sie fast umgefahren hätte.

eine völlig überwucherte Gartenbanklehne
Eine kaputte Gartenbank zaubert wilde Romantik in den kleinen Stadtgarten.

Ein blasser Mann mit einer tief ins Gesicht gezogenen Strickmütze blickt in den Garten und philosophiert über den Fortgang der Zeit und der Natur: „Die Natur gibt es noch lange. Die ist noch lange da, wenn wir schon weg sind. . .“ Moni unterhält sich ein bisschen mit dem Mann, bevor er von dannen schwebt. Sie greift wieder zur Gießkanne und geht zurück ins Haus. Bis zu 15 Stunden verbringt sie in der Saison wöchentlich in ihrer blühenden Oase. Berät Passanten, die nach Gartentipps fragen, rupft und pflanzt und gießt. Alleine die Bewässerung kann an heißen Tagen bis zu eineinhalb Stunden dauern. Einen Wasseranschluss gibt es nämlich nicht. Also schleppt die tatkräftige Gärtnerin Gießkannen.

Die Zukunft des Moni-Parks

„Größer soll der Garten nicht werden, denn er ist ohne weitere helfende Hände arbeitsintensiv genug“, sagt Monika. Nur der Komposthaufen auf dem Seitenstreifen gleich nebenan brauche noch ein wenig Umpflanzung. Daneben gedeihen Brennnesseln und Co. Ob die engagierte Stadtgärtnerin das wohl hinnimmt, wenn mal wieder eine Pflanze bei ihr im Garten abgestellt wird?

4 thoughts on “Im Garten von. . . Monika

  1. Wunderbar, dass es solche Menschen wie Monika gibt, die gegen alle Widrigkeiten nicht aufgeben. Die Stadtverwaltungen sollten froh sein, dass es so engagierte Bürger gibt.
    Vorhandene Ansätze für Begrünungen in unserer Kleinstadt gibt es auch, aber die Gedankenlosigkeit der anderen Menschen ist groß und so wird vieles zertrampelt, mit Zigarettenkippen, Müll und Hundekot verdreckt oder sogar Sperrmüll und gelbe Säcke darauf abgelagert. Das Gießen ist natürlich auch ein großes Problem gerade wieder in diesem trockenen Sommer.
    Ich wünsche Monika weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen und viele nette Begegnungen mit anderen Menschen, die ihr Tun zu schätzen wissen.
    Weiter so!

    1. Stammen die „vorhandenen Ansätze für die Begrünung“ deiner Kleinstadt denn von dir? Wenn ja, könntest du ja vielleicht, genau wie Monika, kleine Zäunchen rund um die Anlage ziehen. Vielleicht hilft das ein wenig.

  2. Hallo Katka,
    das ist bei uns etwas kompliziert. Die Stadt bepflanzt die Flächen, wenn die jeweiligen Anwohner sich zur Pflege bereiterklären. Das klappte zuerst sehr gut, jetzt verwildern die Flächen wieder und werden verschmutzt. Zäune dürfen lt. Stadtordnung nicht sein, würden auch kaum Sinn machen, da es sich um viele kleine Flächen, speziell Baumscheiben handelt.
    Ich wohne nicht im Innenstadtbereich und habe selbst ein riesiges Grundstück mit großem Garten, in dem ich so naturnah wie möglich zu gärtnern versuche (bin gerade beim Studium der Permakultur).
    Gruß Angela

    1. Liebe Angela, wie schade, dass solche Grünpatenschaften bei euch noch nicht so gut funktionieren. Und wie schön, dass du ein so großes Grundstück hast, in dem du dich austoben kannst. Viel Spaß beim Lernen und Gestalten!

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